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Keine Extrawurst für Elterntaxis !

 

Seit einigen Wochen beschäftigen sich diverse Gremien der Stadt mit diesem Thema: Begonnen hat alles in der Ratssitzung am 4. Juni 2019. Bürgermeister Schell gab bekannt, dass er plane, das absolute Halteverbot in der Buswendeschleife Große Twete in ein eingeschränktes Halteverbot umzuwandeln. Während der Zeiten, in denen keine Busse halten, sollen hier Eltern die Möglichkeit bekommen, ihre Kinder zu bringen bzw. abzuholen.

Nachdem diese Änderung nun in mehreren Fachausschüssen beraten und von den vier Ratsfraktionen bislang einhellig abgelehnt wurde, soll sich am 9. Oktober 2019 der Schulausschuss nochmals damit befassen. Das Problem aus schulischer Sicht noch einmal zu beleuchten, kann sicher nicht schaden. Wir Grüne bleiben allerdings bei unserer Ablehnung der angedachten Änderung.

 

Ganz unabhängig von der konkreten Verkehrssituation in Barntrup sehen wir "Elterntaxis" äußerst kritisch. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels ist es definitiv nicht mehr zeitgemäß, Kinder über Entfernungen per Auto zur Schule zu fahren, die ohne weiteres zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt werden können.

Zudem tut man den Kindern keinen Gefallen! Zahlreiche Studien weisen nach, dass Übergewicht und Haltungsschäden bei Minderjährigen zunehmen. Kinder verbringen zu viel Zeit im Sitzen, auch wenn viele Schulen hier schon z. B. in Form von Bewegungspausen während des Unterrichts oder der Schaffung von Bewegungsangeboten für die Pausen gegensteuern.

Ein Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad fördert zudem das soziale Lernen. Der Austausch mit den MitschülerInnen vor und nach dem Unterricht fällt weg, wenn die Eltern bis vor das Schultor fahren. Auch in punkto Verkehrserziehung ist der Schulweg wichtig: Theorie und Regelkunde sind nur eine Seite, echte Erfahrungen und Kompetenzen im Straßenverkehr kann man aber nur erwerben, wenn man auch aktiv teilnimmt.

 

Vor einer Schule sollte nur ein Gedanke die Überlegungen leiten: Den Kindern einen sicheren und gesunden Weg zur Schule und nach Hause zu ermöglichen! Alles andere ist zweitrangig und muss sich den Interessen der Jüngsten unterordnen, die beim Überqueren der Straße kaum über die Motorhauben der haltenden Fahrzeuge schauen können.

Die vom Bürgermeister angedachte Änderung wäre eine Kapitulation vor der Minderheit, die sich wenig für Gesundheit und Sicherheit interessiert und hinsichtlich der Verkehrsregeln unbelehrbar scheint. Warum muss man den wenigen Uneinsichtigen entgegen kommen, während die berechtigten Anliegen der anderen Kinder und auch der BusfahrerInnen offenbar eine weniger wichtige Rolle spielen?

Ein Leitgedanke der Grundschule Barntrup lautet "Schule in Bewegung". Käme die Idee der Verwaltungsspitze wirklich zum Tragen, würde dieses Leitbild (ohne Verschulden der Schule) ad absurdum geführt.

 

Wir hoffen, dass sich die anderen Fraktionen wie wir weiterhin einhellig gegen ein eingeschränktes Halteverbot aussprechen. Leider zeichneten sich in den jüngsten Beratungen aber Risse in der klaren Haltung gegen diese Maßnahme ab. Wir appellieren an alle Beteiligten, das verkehrswidrige und unsinnige Verhalten einiger weniger nicht im Nachhinein zu bestätigen.

Benachbarte Städte wie Lemgo sind hier schon weiter und machen vor, wie sich durch intelligente Verkehrsplanung und -führung Konflikte entschärfen lassen. Hier ist natürlich auch eine regelmäßige Überwachung einschließlich der Sanktionierung von Verstößen notwendig - wer dann immer noch meint, sich nicht an Regeln halten zu müssen, dem geht es eben an den Geldbeutel.

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