Liebe Barntruperinnen und Barntruper,
wie Sie vielleicht schon gehört haben, wird derzeit über die Errichtung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage mit einer Gesamtgröße von ca. 70 Hektar zwischen Barntrup und Alverdissen diskutiert.
Im Folgenden finden Sie die Stellungnahme unserer Fraktion, wie sie auch bereits in der Sitzung des Stadtrates am 28. Mai 2026 vorgestellt wurde, im Wortlaut.
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zu den geplanten Photovoltaikanlagen im Bereich Saalberg / Windmühlenstumpf
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Ihnen bekannt ist, planen mehrere Akteure zur Zeit die Errichtung von Photovoltaikanlagen nördlich der Kernstadt mit einem gesamten Flächenumfang von rund 70 Hektar.
Die Erzeugung regenerativer Energie, die Abkehr von fossilen Energieträgern sowie die marktgerechte Bereitstellung dieser Energieformen insbesondere im regionalen und lokalen Bereich sind bekanntlich zentrale Anliegen bündnisgrüner Politik. In diesem Sinne stellen die geplanten Anlagen ohne Frage eine große Chance für Barntrup dar, vor Ort sauberen Strom zu erzeugen und zudem den Menschen in unserer Kommune langfristig günstige Energie zukommen zu lassen.
Die Kriege in der Ukraine und im Iran machen uns neben dem menschlichen Leid vor Ort erneut schmerzlich bewusst, wie fragil der globale Energiemarkt im Zweifelsfall ist und welchen Stellenwert die Abkehr von fossilen Energieformen und die Stärkung der Autarkie bei uns haben sollte. Auch vor diesem Hintergrund bietet das nun besprochene Projekt eine große Möglichkeit, unsere Unabhängigkeit von importierten, teuren und klimaschädlichen Energieträgern zu stärken.
Zugleich wäre die geplante Anlage aber auch mit erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaftsbild verbunden. Die Errichtung einer solchen Anlage inmitten eines der schönsten und beliebtesten Naherholungsgebiete Barntrups muss daher außerordentlich sensibel beraten und abgewogen werden.
Barntrup ist nicht überaus reich an Attraktionen. Unsere Natur mit ihren Wander- und Erholungsgebieten stellt hier für uns den größten Trumpf dar, der unter keinen Umständen leichtfertig aufs Spiel gesetzt oder unwiederbringlich verändert werden darf.
Die Diskussionen um die unweit der möglichen PV-Anlagen nunmehr im Bau befindlichen, teils auch noch geplanten Windenergieanlagen hat uns allen die Bedeutung und die Sensibilität solcher Themen deutlich vor Augen geführt. Wenngleich Stadtrat und Verwaltung im Falle der Windkraftanlagen letztlich keine Handhabe gehabt hätten, diese zu verhindern, wurden die Vorhaben dennoch hier vor Ort intensiv und emotional diskutiert.
Nun sprechen wir über ein Projekt, bei dem die Politik in Barntrup sehr wohl die Möglichkeit hat, grundsätzlich steuernd einzugreifen. Daher ist es aus unserer Sicht unerlässlich, direkt und früh die Information und die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger zu suchen.
Die Beratung der Windenergieanlagen hat gezeigt, welche Gräben und Konflikte sich auftun können, wenn Bürgerinformation falsch oder ungenügend durchgeführt wird. Fehler können passieren - entscheidend ist aber, welche Lehren man aus ihnen zieht! Für unsere Fraktion dürfen derartige Planungen niemals wieder an den Menschen vor Ort, die Tag für Tag mit den Folgen unserer Entscheidungen und Weichenstellungen leben müssen, vorbei erfolgen.
Unsere Fraktion hat in der Ratssitzung am 21.04.2026 den Beschluss hinsichtlich des Bebauungsplans mitgetragen, jedoch nicht ohne zu betonen, dass hiermit lediglich die planerischen Voraussetzungen für eine mögliche Photovoltaikanlage geschaffen werden sollen und unsere Zustimmung zu diesem Punkt keineswegs eine grundsätzliche Befürwortung des Vorhabens insgesamt umfasst.
Eine Zustimmung zu einem noch zu beratenden Grundsatzbeschluss wird es von unserer Fraktion daher nur dann geben, wenn die Menschen in Barntrup und seinen Ortsteilen früh und vor allem offen in den kompletten Prozess eingebunden werden. Voraussetzung wäre hier für uns etwa ein Bürgerentscheid oder ein vergleichbares Verfahren, in dem alle Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme für oder gegen die Planungen abgeben können.
Mit der üblichen öffentlichen Auslegung von Unterlagen ist es in diesem Fall sicher nicht getan. Bürgerbeteiligung bedeutet für uns nicht, die Bevölkerung erst dann mitzunehmen, wenn ein beschlussfähiger Plan vorliegt, den man dann gut oder schlecht finden, aber nicht mehr prinzipiell ändern oder ablehnen kann. In diesem Punkt teilen wir durchaus die schon in der oben erwähnten Ratssitzung geäußerten Befürchtungen, dass hier womöglich verfrüht Tatsachen geschaffen werden und die Bürgerinnen und Bürger erst dann ins Spiel kommen, wenn wesentliche Entscheidungen längst gefällt sind.
Überwiegt bei den Barntruperinnen und Barntrupern die Sorge um Landschaft und Natur, oder wiegt die Aussicht auf preisstabilen, ökologisch erzeugten und unabhängigen Strom schwerer? Wir maßen uns nicht an, zu beurteilen, welche Tendenz bei der Mehrheit der Menschen vorherrscht. Insofern ist eine Bürgerbefragung oder ein anderes, geeignetes Votum für uns eine zwingende Voraussetzung für jedweden Beschluss, gleich in welche Richtung.
Alle demokratischen Parteien haben sich, wenn auch vielleicht in unterschiedlichem Maße, Werte wie Offenheit, Fairness, Transparenz und Augenhöhe mit den Menschen auf ihre Fahnen geschrieben. Nun ist die Zeit gekommen, diese Ideale mit Inhalt zu füllen und hier bei uns in Barntrup auch zu leben!
Ja, dies mag zeitaufwendiger, unbequemer und mühsamer sein als nur einen Beschluss zu fassen und diesen dann nach bestem Wissen und Gewissen zu rechtfertigen. Im Sinne unserer Demokratie und der Bürgernähe und Glaubwürdigkeit unseres Rates sollten wir alle aber unbedingt diese Mehrarbeit auf uns nehmen.
Wir rufen den Bürgermeister, die Stadtverwaltung und alle Fraktionen des Stadtrats auf, unser Anliegen zu unterstützen und die erwähnten Forderungen zu beschließen und umzusetzen - im Sinne einer ausgewogenen, begründeten und bürgernahen Entscheidung.
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